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Nagetiere

Zoologisch betrachtet werden Kaninchen von den echten Nagetieren wie Meerschweinchen, Ratten, Mäusen, Hamstern aufgrund einer Besonderheit in der Zahnstellung unterschieden, und zwar weisen sie hinter den oberen Nagezähnen, also den Oberkieferschneidezähnen (1. Inzisivus) jeweils einen weiteren 2. Schneidezahn in Form des Stiftzahnes auf.

 

So vielschichtig und teilweise widersprüchlich die Aussagen über Kaninchen und Nagetiere in Büchern und Zeitschriften oder etwa die Beratung im Zoofachhandel sind, so groß ist auch häufig die Verwirrung beim Tierhalter, der sich umfassend informieren will und dennoch zu keinem klaren Ergebnis kommen kann. Leider ist dabei immer wieder festzustellen, dass die Beratung im Zoohandel eher vertriebsorientiert ist als tiergerecht!

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit und Erfahrung mit diesen Tieren gebe ich deshalb im Folgenden Empfehlungen zur artgerechten Haltung und Fütterung von Meerschweinchen und Kaninchen

Artgerechte Haltung von Kaninchen und Meerschweinchen

Kaninchen und Meerschweinchen sind gesellige Tiere, die naturgemäß in Familienverbänden leben. Daraus ergibt sich, dass eine Einzeltierhaltung nicht artgerecht ist. Viele Verhaltensweisen sind auf das Zusammenleben in der Familie ausgerichtet.

Prinzipiell ist die Kaninchenhaltung nicht einfach!!!

Die Haltung von Meerschweinchen ist vergleichsweise einfacher.

Bewährt hat sich die Paarhaltung gleichgeschlechtlicher weiblicher oder kastrierter männlicher Tiere (erwachsene Kaninchenrammler dürfen wegen der Verletzungsgefahr nicht zusammengehalten werden!) oder die Paarhaltung eines unkastrierten weiblichen mit einem kastrierten männlichen Tier.

Zu vermeiden ist grundsätzlich eine Einzeltierhaltung sowie die Vergesellschaftung von Kaninchen und Meerschweinchen. Letztere geschieht meist zu Ungunsten der Meerschweinchen, da sich Kaninchen häufig sehr dominant und aggressiv gegenüber Meerschweinchen verhalten. Allein aus dem innerartlich sehr unterschiedlichen Sozialverhalten von Meerschweinchen bzw. Kaninchen wird deutlich, dass diese Tierarten von Natur aus wenig aufeinander abgestimmt sind. Meerschweinchen werden meist durch das dominante Verhalten der Kaninchen dauerhaft unterdrückt!

Als Heimtiere werden Kaninchen häufig paarweise gehalten, wobei die reine Käfighaltung in der Regel viel zu wenig Raum für Bewegung bietet. Ohne regelmäßigen zusätzlichen Auslauf erleiden die Tiere eine Unterentwicklung des Knochengewebes, wodurch das Risiko eines Knochenbruches stark erhöht wird. Ideal ist eine Außenhaltung sowohl des Auslaufs als auch der Frischluft wegen, die den Tieren ganzjährig eine ausreichende Fläche für die arteigenen Hoppelsprünge zulässt. Die im Winter kühle Luft ist allemal verträglicher als die Heizungsluft in unseren Wohnungen, von der die Schleimhäute des Atmungstraktes stark gereizt werden können. Kaninchen und Meerschweinchen haben eine breite Thermoneutralzone, so dass sie auch in unseren Breiten ganzjährig draußen gehalten werden können. Wichtig ist, dass ihnen dabei immer ein Unterschlupf zur Verfügung steht sowie Schutz vor übermäßiger Sonne und Kälte. Tendenziell erleiden Kaninchen und Meerschweinchen unter entsprechend ungünstigen Haltungsbedingungen häufiger einen Hitzschlag als dass sie unter Erfrierungen leiden müssen.
Gesunde (!) Kaninchen und Meerschweinchen geraten ab einer Lufttemperatur von 25 °C in einen Hitzestress, herz- und kreislaufkranke Tiere schon bei niedrigerer Temperatur.

Kaninchen haben einen sehr ausgeprägten Hörsinn (16 bis 33.000 Hz), was bei der Auswahl des Käfigstandortes berücksichtigt werden muss. Sie haben aus diesem Grunde in Räumen mit Radios und Fernsehern ebenso wenig gute Lebensbedingungen wie in schlecht gelüfteten und oftmals im Winter überheizten (Kinder-)Zimmern.

Bei der Auswahl der Einstreu hat sich in jüngster Zeit die Pelleteinstreu auf Strohbasis sehr bewährt, die saugstark ist und nur sehr wenig Staub entwickelt. Aus diesem Blickwinkel sollten Sägemehl und Hobelspäne als Einstreu für tabu erklärt werden. Hobelspäne sind immer ein Abfallprodukt der Holz verarbeitenden Industrie, deren Herkunft in der Regel unbekannt ist und die unter Verwendung von Imprägnierfarben und sonstigen Chemikalien bearbeitet wurden.

Artgerechte Fütterung von Kaninchen und Meerschweinchen

Die Fütterung sollte unter ernährungsphysiologischen Aspekten bei Kaninchen und Meerschweinchen in erster Linie aus grob strukturierter Rohfaser, d.h. Heu und/oder Gras bestehen.

Die spezielle Bakterienflora des Darmes dieser Tierarten ist in der Lage, Zellulose aufzuspalten, und alle essentiellen Nahrungsstoffe herzustellen. In diesem Darmabschnitt wird ein so genannter Blinddarmkot, die Caecotrophe, gebildet. Dabei handelt es sich um mit Schleim überzogene, trauben- bis wurstförmige, glänzende Kotbällchen. Dieser spezielle
Weichkot, dessen Anteil am Gesamtkot bei über 30 % liegt, passiert die weiteren Abschnitte des Dickdarms weitgehend unverändert, wird von den Tieren direkt vom Anus abgenommen und unzerkaut geschluckt, was meist als "Putzbewegung" zu beobachten ist.

Eine artgerechte Fütterung besteht aus stets verfügbarem Heu oder Gras als Grundfutter und kann durch abwechslungsreiches Frischfutter wie Salatblätter, Möhren- und Kohlrabigrün, Kräuter aller Art, Klee, Paprika und anderes Gemüse sowie frisches Obst ergänzt werden. Vitamin C-haltige Futtermittel sind für Meerschweinchen lebensnotwendig - für Kaninchen in dem Maße nicht!

Körnerfutter (Weizen, Roggen, Hafer - auch Haferflocken!!! - Mais und Maisprodukte) ist stärkereiches, zellulosearmes Futter und entspricht nicht dem natürlichen Bedarf dieser Tierarten. Weizen-, Hafer- und Maiskörner sind auf den Weltmärkten billige Futtermittel, die von großen Futtermittelfirmen ansehnlich zubereitet und attraktiv verpackt als Futter für Kaninchen und Meerschweinchen angeboten werden. Die Folgen der chronischen Fehlfütterung sind folgende:

- Zahnprobleme
- Verdauungsstörungen - chronischer Durchfall - Trommelsucht
- Leberverfettung - Übergewicht
- Fliegenmadenbefall
- kürzere Lebenserwartung

Snacks für Kaninchen und Meerschweinchen beinhalten gemäß der Packungsdeklarationen Zucker, Mehl, Maiskleie, Hartbisquit, Zuckerrohrmelasse, Bäckerei-Nebenerzeugnisse, ausgesuchte Getreidearten, wertvolle aufgepoppte Getreidesorten, Saaten, gehackte Nüsse, Honig, pflanzliche Nebenerzeugnisse, tierisches Eiweiß, tierische Nebenerzeugnisse, frische Eier, Milch und Molkereierzeugnisse, Joghurtpulver...und sind deshalb nicht artgerecht!!!

Die entstandenen Gesundheitsschäden können nicht immer durch die tierärztliche Behandlung behoben werden und somit heißt es: Vorbeugen ist besser als Heilen!